Pressemitteilungen

Erhalt der Paracelsus Klinik Reichenbach im Vogtland

13.07.2022

Petition an den Präsidenten des Sächsischen Landtags: Link: https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-der-paracelsus-klinik-reichenbach

Eine ausreichende medizinische Versorgung ist Grundvoraussetzung für das Leben, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Nichtsdestotrotz wird diese mehr oder weniger in Frage gestellt und insbesondere im ländlichen Raum deutlich gefährdet.

Die Menschen in Reichenbach und Umgebung sind angewiesen auf eine qualitativ und fachlich ausgezeichnete sowie umfassende medizinische Versorgung, die ausschließlich durch den Erhalt und die Weiterentwicklung des Reichenbacher Standortes der Paracelsus-Klinik zu gewährleisten ist.

Begründung/Hintergrund

Das Reichenbacher Krankenhaus und insbesondere die Beschäftigten durchlebten in den vergangenen Jahren eine wechselhafte Geschichte. Bereits 2018 stand eine Schließung im Raum, die nur dank des Eigentümerwechsels zur Schweizer Beteiligungsgruppe Porterhouse Group und auf nachdrücklichen Protest von Seiten der Angestellten sowie des zahlreichen Engagements von Mitarbeitern der Stadtverwaltung der Stadt Reichenbach sowie Bürgerinnen und Bürgern verhindert werden konnte. Wie hoch die Loyalität der Angestellten insbesondere ihren Patientinnen und Patienten war und immer noch ist, zeigte insbesondere die ausgezeichnete medizinische Betreuung und Pflege, die damals in den langen Monaten der Ungewissheit dennoch ohne Abstriche umgesetzt werden konnte und auch heute den Berufsalltag bestimmt. Auch 2018 stand eine Rekommunalisierung im Raum, konnte zum damaligen Zeitpunkt jedoch nicht umgesetzt werden.
Im aktuellen Stadtentwicklungskonzept (Insek) der Stadt Reichenbach ist die medizinische Versorgung als eines der größten „Sorgenkinder“ der Bürgerinnen und Bürger wiederzufinden. Als Ergebnis der Bürgerbefragung zeigten sich dabei in diesem Bereich folgende Handlungsbedarfe ersichtlich: Versorgung bei Hausärzten (Platz 1), Fachärzten (Platz 2) und der allgemeinen medizinischen Versorgung.
Abrufbar ist der Entwurf des integrierten Stadtentwicklungskonzepts unter folgendem Link: 

Die Notwendigkeit des Erhalts und der Weiterentwicklung des medizinischen Spektrums der Paracelsus-Klinik Reichenbach ist auch im Insek als Notwendigkeit erkannt und benannt worden, um eine „gute medizinische Versorgung sicherzustellen“.
Die Paracelsus-Klinik Reichenbach bietet alle Voraussetzungen, um diesen – von Bürgerinnen und Bürgern zum Ausdruck gebrachten Erwartungen gerecht zu werden. Das medizinische Angebot umfasst neben dem medizinischen Versorgungszentrum auch die folgenden Bereiche: Anästhesie, Intensivmedizin, NotfallmedizinUnfallchirurgie, Innere Medizin, Urologie/Kinderurologie, Multimodale SchmerztherapieHandchirurgie, Mund-/Kiefer- und Gesichtschirurgie, EndoProthetikZentrum, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gynäkologie, Radiologie.

Aktuell besitzt die Paracelsus Klinik Reichenbach zudem folgende Zertifikate, die von unabhängiger Stelle geprüft, bescheinigen, dass fachlich und medizinisch auf sehr hohem Niveau gearbeitet wird.
Aktion „Saubere Hände“ 2022/23 in Bronze, Lokales Traumazentrum der DGU; EndoProthetikZentrum (EPZ), Audit beruf und familie

Das überragende Engagement der Ärztinnen, Ärzte und des pflegerischen Personals findet hierin ebenfalls Ausdruck.

Erst im April 2022 wurden die Vergütungsanpassungen für Beschäftigte beschlossen – rückwirkend zum 01.01.2022, aber auch zum 01.01.2023 sowie zum 01.07.2023.
Am 02.07.2022 war in der Freien Presse (Reichenbacher Ausgabe) zu lesen: „Paracelsus-Klinik als Traumazentrum für drei weitere Jahre zertifiziert“. Die vorhandenen sehr guten Versorgungsbedingungen, die für die Behandlung von Schwerverletzten notwendig sind, wurden dafür von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowohl in personeller als auch struktureller Hinsicht geprüft und für „sehr gut“ befunden. Bereits seit 2010 gehört die Paracelsus-Klinik Reichenbach dem Trauma-Netzwerk Westsachsen an, in dem 29 Krankenhäuser zusammenarbeiten.
Ebenfalls am 02.07.2022 erschien ein Artikel, der die Frage des weiteren Verbleibs der Paracelsus Kliniken in Reichenbach, Schöneck und Adorf behandelte. Vorausgegangen war den damit verbundenen Spekulationen und Befürchtungen ein Bericht vom 22.06.2022, der über den Aufkauf des Zwickauer Klinikteils durch das dort ansässige Heinrich-Braun-Krankenhaus thematisierte.
Im Bericht wurde der Klinikbetreiber nach der Zukunftsperspektive im Vogtland gefragt. Die Paracelsus-Sprecherin sagte: „Derzeit gibt es keine Verkaufspläne für vogtländische Standorte.“
Aber sie führte auch aus: „Angesichts der massiven Veränderungen innerhalb der Gesundheitsbranche und insbesondere im Krankenhauswesen, ist die aktive Entwicklung zukunftsfähiger Konzepte für den Betrieb von Krankenhäusern das Gebot der Stunde – und zwar ohne jede Denkverbote. (…) Digitalisierung, Ambulantisierung und unzureichende Finanzierung der Krankenhäuser verschärfen diesen Zwang nach nachhaltigen Standortlösungen enorm, inhaltlich und zeitlich. Ein Ausschluss von Veränderungen, gleich welcher Art, kann es daher zum jetzigen Zeitpunkt glaubhaft nicht geben. Trotz dieser sehr herausfordernden Rahmenbedingungen arbeiten wir mit aller Kraft und Tag für Tag daran, eine gute Patientenversorgung für die Bevölkerung sicherzustellen. Dazu werden wir weiterhin mit den regional-politisch Verantwortlichen das Gespräch suchen.“

Diese belastende Ungewissheit für Angestellte, aber auch Bürgerinnen und Bürger weiter aufrecht zu erhalten, ist kontraproduktiv. Der Standort Reichenbach ist wirtschaftlich in der Lage, rentabel zu arbeiten. Das zeigt sich nicht nur in der jahrelangen Erfahrung und den immer wieder erreichten Auszeichnungen, sowie der Bekanntheit über die Grenzen der Region hinaus, sondern auch in der Patientenzufriedenheit und Loyalität der Angestellten.

Die eventuelle Rekommunalisierung des Reichenbacher Klinikteils ist aus heutiger Sicht eine Möglichkeit, der drohenden Schließung in absehbarer Zeit entgegenzuwirken, sollte keine andere Trägerübernahme möglich sein. Aufgrund der wirtschaftlichen Tragfähigkeit stellt eine Übernahme sowohl in die Trägerschaft des Kreises als auch eines unabhängigen Investors daher keine unsichere und übermäßige Belastung dar.

Standortfaktor

Gerade im ländlichen Raum ist die medizinische Versorgung seit längerem nicht mehr in dem Maße gegeben, dass tatsächlich von einer „Patientenorientierung“ gesprochen werden kann. Wartezeiten bei Haus- und Fachärzten sind hier in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen. Dazu gehören aber auch Operationstermine, medizinisch notwendige Behandlungen sowie Notfallbehandlungen, die ggf. an anderen Kliniken fortgesetzt werden mussten.  

Aufgabe der Politik – und insbesondere des Landkreises, aber auch der Landes- und Bundesregierung – ist es auch, eine wohnortnahe medizinische (Notfall-)Versorgung zu gewährleisten, und zwar in allen Fachrichtungen, für alle Generationen und Lebenslagen. Die Schaffung aller dafür notwendigen Regelungen und Bedingungen ist unerlässlich und muss an die jeweilige Situation angepasst erfolgen.

Arbeitgeber der Region

Die Paracelsus-Klinik Reichenbach ist als Arbeitgeber in der Region eine wichtige Instanz. Neben medizinischem Fachpersonal sind hier viele weitere Berufsgruppe vertreten, die in unmittelbarer Nähe keine Anstellung finden würden. Der direkt angrenzende Kindergarten „Pfiffiküsse“ – mittlerweile in städtischer Trägerschaft - bietet Angestellten des Klinikums eine besondere Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Region, der Anreiz für Arbeitskräfte ist und damit einen eindeutige Standortvorteil für den Erhalt des Reichenbacher Klinikums darstellt.

Aus- und Weiterbildung

Gerade die unzureichende ärztliche Versorgung im ländlichen Raum gepaart mit langen Warte- und/oder Fahrzeiten erschwert nicht nur Patienten die Suche nach geeigneten Fachärzten. Hinzu kommen die mangelnden Möglichkeiten in der Aus- und Weiterbildung angehender (Fach-) Ärzte. Diese ist jedoch Grundvoraussetzung für die Nachwuchsgewinnung, ganz besonders im ländlichen Raum.
Der Reichenbacher Standort der Paracelsus-Klinik bietet alle Möglichkeiten, um weiterhin und auch auf lange Sicht, Studierende der Medizin ebenso zu begleiten und anzuleiten, wie Weiterbildungen im medizinischen und pflegerischen Bereich anzubieten. Durch die Eingliederung beispielsweise in das Klinikum Obergöltzsch könnten sowohl die enge Vernetzung der Ärzte als auch die Weitergabe von Wissen ausgebaut werden. Von den daraus entstehenden Synergieeffekten würden neben den Beschäftigten der Kliniken, auch Patientinnen, Patienten, ansässige Haus-/Fachärzte, Apotheken und Städte/Gemeinden profitieren.  

Zukunftsperspektive

Um sowohl für Mitarbeiter, Patientinnen und Patienten verlässliche Zukunftsaussichten zu bieten, als auch die ärztliche Versorgung in Reichenbach und Umgebung auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, ist eine gesicherte Finanzierung beispielsweise durch die Rückführung in eine kommunale Trägerschaft oder die Übernahme durch einen Investor unerlässlich. Die andauernde Unsicherheit, ob der eigene Arbeitsplatz, die ärztliche Versorgung auch in wenigen Wochen und Monaten noch vorhanden oder möglich ist, stellt eine immense Belastung für alle Beteiligten dar, der dringend Abhilfe zu leisten ist.  

Unser Anliegen

Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss bestimmten Fallzahlen, die als Qualitätsmaßstab für einzelne Krankenhäuser dienen sollen, sind vor allem von kleineren Krankenhäusern nicht unter allen Umständen zu erreichen. Dennoch darf die notwendige Versorgung nicht einzig auf betriebswirtschaftlichen Betrachtungen fußen, sondern muss darüber hinaus fachliche Expertise, Patientenzufriedenheit und vorhandene Marktabdeckung berücksichtigen.

Insofern ist das Bestreben, gleichwertige Lebensbedingungen für alle Bürgerinnen und Bürger – in Großstädten ebenso wie im ländlichen Raum – maßgeblich an die ausreichende medizinische Versorgung gebunden. Der Schließung von Krankenhäusern ist darum, mit allen gesetzgeberischen Mitteln, Einhalt zu gebieten, um diese auch in Zukunft patientenorientiert umsetzen zu können.

Die Unterzeichner/innen dieser Petition fordern alle Entscheidungsträger auf,

Den Weg für Rekommunalisierung sowie dem Erhalt der Arbeitsplätze freizumachen und bei entsprechenden Gesprächen/Entscheidungen unterstützend tätig zu werden
Eine Übergangslösung für Arbeitsplatzerhalt und Patientenversorgung zu ermöglichen.
Eine Integration in das kommunale Krankenhaus Obergöltzsch unterstützend/beratend zu begleiten und zu fördern.
Enge Zusammenarbeit mit betroffenen Gemeinden/Städten (Reichenbach/Rodewisch)

Wir fordern:

Wir fordern eine genaue Klärung der wirtschaftlichen Situation der Paracelsus-Klinik Reichenbach.

Wir bitten um intensive Prüfung, ob alle Möglichkeiten zum Erhalt der Klinik ausgeschöpft wurden und inwieweit mögliche finanzielle Belastungen dazu von Seite des Landkreises tragbar sind.

Könnte durch eine eventuelle Anbindung an das Klinikum Obergöltzsch die notwendige Entlastung der Verwaltungstätigkeiten und eine entsprechende Neuausrichtung bzw. Schwerpunktsetzung der medizinischen Leistungen am Reichenbacher Standort erzielt werden?

Gibt es weitere Möglichkeiten der Trägerschaftsübernahme, die geprüft werden könnten?

Wir bitten insbesondere um eine detaillierte Prüfung, inwiefern die Rekommunalisierung und Miteingliederung in das Klinikum Obergöltzsch möglich und zeitnah umsetzbar ist.  

Wir fordern Unterstützung beim Erhalt der Paracelsus-Klinik Reichenbach sowohl beratend als auch durch fachliche Begleitung.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift, wenn Ihnen der Erhalt der Paracelsus-Klinik Reichenbach am Herzen liegt.

Bitte teilen Sie diese Unterschriftensammlung/Petition, um einen möglichst großen Adressatenkreis zu erreichen.  
Stephan Hösl, MdL

Link zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-der-paracelsus-klinik-reichenbach