Pressemitteilungen

Brand bei GTO – zum aktuellen Stand

08.07.2019

Über die Ereignisse und den aktuellen Stand wurde im Rahmen eines Pressegespräches am 8. Juli informiert.

Am Mittwoch, 26. Juni, kam es gegen 17.30 Uhr zu einem Großbrand bei der Galvanotechnischen Oberflächen GmbH im Industrie- und Gewerbegebiet an der Autobahn.
Die zuerst eintreffenden Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Unterheinsdorf übernahmen die Einsatzleitung. Insgesamt waren rund 350 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Technisches Hilfswerk, Polizei, Landratsamt und Stadt Reichenbach im Einsatz. Darüber hinaus unterstützten Einheiten des Landkreises, wie beispielsweise der ABC-Erkundungszug und Dekonzug sowie ABC-Fachberater, die Arbeiten vor Ort.

Die Rauchsäule, die in Richtung Lengenfeld zog, war weit über Reichenbach hinaus zu sehen.
Die Polizei hatte aus diesem Grund die B 94 von der A-72-Anschlussstelle bis zum Gewerbegebiet gesperrt. Auch die Autobahn war zwischen den Anschlussstellen Zwickau West und Treuen in beide Fahrtrichtungen gesperrt.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister hat bereits auf dem Weg zur Brandstelle, als er die starke Rauchentwicklung erkannte, die Rettungsleitstelle gebeten, eine NINA-Warnung abzusetzen. NINA ist kein Alarmierungssystem und ist damit auch zur Erstalarmierung nicht geeignet.
Die Einwohner in Lengenfeld, Treuen, Heinsdorfergrund und Reichenbach wurden dazu aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Außerdem wurden Lautsprecherfahrten durchgeführt und unverzüglich Warnungen durch das Vogtland Radio gesendet.     

Alle Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens konnten das Objekt unverletzt verlassen.

Den eintreffenden Feuerwehrkameraden war aufgrund der Größe des Feuers klar, dass die brennende Halle nicht mehr zu retten ist.
Die Arbeiten konzentrierten sich darauf, die Ausbreitung des Brandes auf die angrenzende Produktionshalle und den dahinterliegenden Wald zu unterbinden.
Es ist bekannt, dass ein galvanisches Unternehmen mit unterschiedlichen Chemikalien, wie Säuren und Laugen, arbeitet. Dies stellte die Kameraden vor eine besondere Herausforderung. Es musste neben Wasser auch mit Löschschaum und anderen brandbekämpfenden Mitteln gearbeitet werden.
Um das Brandobjekt und entlang der Entwässerungssysteme wurden durch den ABC-Erkundungszug sofort Messungen und Probenentnahmen von Luft und Boden durchgeführt.
Noch während der Löscharbeiten am Brandtag wurden Luftproben mit einem Polizeihubschrauber zu einem Speziallabor der Analytical Task Force nach Leipzig geflogen.

Die austretenden und gelagerten Stoffe/Chemikalien/Betriebsmittel, auch Salzsäure, vermischten sich und reagierten miteinander. Diese Mischung lief in die Regen- und Schmutzwasserkanalisation der Firma und floss aufgrund der Menge auch oberflächlich in den Straßenbereich des Kalten Feldes.
Durch den zuständigen Zweckverband Wasser Abwasser Vogtland (ZWAV) wurde sofort nach Brandausbruch der Abfluss der beiden untenliegenden Regenbecken verschlossen, sodass das kontaminierte Löschwasser und das Chemikaliengemisch, welches auch die Straße herunterfloss, nicht in den Seitenarm des Schmalzbaches gelangte, sondern in den Becken zurückgehalten werden konnte.
Die Chemikalien, die in das Schmutzwassersystem gelangt sind, sind über die Kanalisation bis in den Bereich des Radweges an der Ortsgrenze zwischen Heinsdorf und Reichenbach geflossen. An diesem Ort befindet sich ein Havariestauraumkanal, der zunächst das Weiterlaufen auf die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes „Reichenbacher Land“ (AZV) verhindert hat.
Nach gemeinsamer Abstimmung des Umweltamtes mit dem AZV wurde festgelegt, dass das Schmutzwasser bis zur Kläranlage durchgeleitet und dort behandelt werden sollte. Der AZV hat umgehend mit einer ständigen Beprobung und Dokumentation seines Zulaufes begonnen.
Im Bereich der Schmutzwasserleitung unterhalb des Gewerbegebietes am Alten Stadtweg trat an zwei Schächten Schaum aus. Am 1. Juli wurde vorsorglich der Oberboden im Bereich der beiden Schächte abgetragen und entsorgt. Der Zweckverband ZWAV und der AZV vereinbarten in Abstimmung mit dem Umweltamt und der geschädigten Firma, dass nach Brandlöschung mit der Spülung und Reinigung des Kanalsystems begonnen wird. Das erfolgt seit 2. Juli. Außerdem veranlasste der ZWAV, dass das untere Regenrückhaltebecken in das obere Becken gepumpt wird. Somit kann beim nächsten Regen die Regenrückhaltung gewährt werden.
Nach Vorliegen der Ergebnisse über die Beschaffenheit dieses Wassers, wird durch das Umweltamt über die Art der Entsorgung entschieden.

Am späten Nachmittag des 27. Juni gab der Vogtlandkreis Handlungsempfehlungen für die Gebiete Schönbrunn, Waldkirchen Unterdorf und Lengenfeld Nordwest, die Ortslagen, in die die Rauchwolke gezogen war, die insbesondere den Umgang mit Gartenfrüchten, Futterpflanzen, Tierfütterung, Weidehaltung von Tieren, Imkerei, aber auch den Umgang mit Sandkästen, betrafen.
Diese Empfehlungen/Hinweise wurden durch Mitarbeiter der Stadt Lengenfeld noch an diesen Tag allen Bewohnern des Gebietes in den Briefkasten gesteckt.
Das Umweltamt veranlasste gemeinsam mit dem Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt, Probeentnahmen von Feldern sowie gärtnerischen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen.  

Die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren waren aufgrund der heißen Temperaturen am Brandtag sowie der starken Rauchentwicklung, dem Wissen um die Chemikalien in der Galvanotechnik und der Notwendigkeit, unter Atemschutz zu arbeiten, einer starken Belastung ausgesetzt.
In der medizinischen Erstversorgung vor Ort wurden die Kameraden aufgrund der großen Hitze mit den Symptomen Kreislaufprobleme und Dehydrierung behandelt. 28 Feuerwehrleute wurden verletzt. Elf davon wurden am Brandtag (26. Juni) in Krankenhäuser der Umgebung zur Weiterbehandlung verbracht. Auf Nachfrage des Rettungszweckverbandes am 28. Juni in den Kliniken zum Genesungsstand der Kameradinnen und Kameraden, wurde diesem mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht keine Auskunft erteilt.
Im Nachgang des Brandes meldeten sich Feuerwehrleute bei den Stadtwehrleitern nach und nach zurück und teilten ihre Symptome, die gestellten Diagnosen und die sich daraus ergebenden Behandlungsschritte mit. Hiernach erlitten die Kameradinnen und Kameraden thermische Überbelastung, Atemwegsreizung durch toxische Gase und auch Rauchgasvergiftungen. Zwischenzeitlich begaben sich noch weitere Feuerwehrleute, bei denen zunächst keine gesundheitlichen Beschwerden aufgetreten waren, in ärztliche Behandlung, da auch bei diesen plötzlich u.a. Atembeschwerden und Schmerzen im Brustbereich auftraten. Einige von ihnen mussten daraufhin in Kliniken stationär behandelt werden oder werden wegen Atemwegsreizungen eingeschränkter Lungenfunktion (im Belastungszustand) durch einen Lungenspezialisten medizinisch betreut.
Die Firma GTO hat eine Liste der zur Produktion gelagerten Chemikalien an das Umweltamt übergegeben. Diese wurde unverzüglich an die behandelnden Fachärzte weitergegeben, um eine weitergehende und zielführende Behandlung der Verletzten zu gewährleisten.
Mit dem Stand heute waren oder sind insgesamt 32 Kameradeninnen und Kameraden (diese Zahl kann sich jederzeit ändern) hauptsächlich wegen einer toxischen Bronchitis in ärztlicher Behandlung.  
Die Stadt ermöglicht allen Reichenbacher Kameradinnen und Kameraden, die am Löscheinsatz teilgenommen haben, vorsorglich einen Gesundheits-Check durchzuführen.
Diese Empfehlung hat Reichenbach an alle am Einsatz beteiligten Städte weitergegeben.  

Ergebnisse der Luftmessung zeigen, dass neben gewöhnlichen Brandgasen in der Rauchwolke Bestandteile gefunden wurden, die sonst bei einem Plastebrand auftreten. Auffällig waren hohe Salzsäuregehalte im Bereich der Brandherde. Zu bedenken ist dabei die wirklich schwierige Analytik der Brandgase, um konkrete Gefährdungen richtig einzuschätzen und notwendige Handlungen ableiten zu können. Dabei ist klar, dass nicht alle der bei derartigen Bränden auftretenden über 10.000 Verbindungen einzeln und genau analysiert werden können. Eine allgemeine Entwarnung kann aus diesen Gründen noch nicht gegeben werden.
Erste Ergebnisse eines Schnelltests im Zusammenhang mit Spielsand aus Schönbrunn liegen dem Umweltamt seit Donnerstagnachmittag vor. Entsprechend diesen Ergebnissen konnte für die KiTa in Schönbrunn und die Benutzung des Freigeländes Entwarnung gegeben werden. Die Bearbeitung der weiteren Proben kann bis zu 14 Tage dauern.